KANN ES LEBEN IM CHAOS GEBEN? WIE? Bericht zu Philosophy-in-Concert Nr.4 in Hamburg

Email: info@philosophy-in-concert.org
10.November 2017
Autor: cagentartist
cagentartist@philosphy-in-concert.org

PDF

ÜBERBLICK

Die vierte Philosophy-in-Concert Performance, dieses Mal im Rahmen des Elektria Klangfestivals 2017 in Hamburg. Ein völlig neues Programm, stärkere Betonung des Werkstattcharakters. Sehr positive Resonanz des Publikums.

1. Die Einladung – Elektria Klangfestival Hamburg

Auf Einladung durch ’Costa’, dem ’elektronischen Pastor’ der Kirche St. Johannis Harvestehude  im Rahmen der Elektria Hörlounge 2017 mal aufzutreten, hat es uns am 9.November 2017 nach Hamburg verschlagen, in das Gemeindehaus von St.Johannis-Harvestehude, ein seit Jahren in Hamburg bekannter Ort für experimentelle Musikkunst. Aufgrund der guten Ausstattung des Saales konnten wir mit vergleichsweise ’leichtem Gepäck’ anreisen.

 

Arbeitsplatz cagentArtist & acrylnimbus. Der Plattenspieler kam später bei der Lounge zum Einsatz.
Arbeitsplatz cagentArtist & acrylnimbus. Der Plattenspieler kam später bei der Lounge zum Einsatz.

2. Titelzauber

Die Veranstaltung war ursprünglich angekündigt worden mit ’Digitale Unsterblichkeit – Vom Verschwinden des Menschen’. Wie schon angemerkt, war das der Titel von Philosophy-in-Concert Nr.2 gewesen.  Als der Titel in der Welt war, wollten wir ihn nicht mehr ändern. Da wir aber kein Programm wiederholen, haben wir einfach an der Vision von Philosophy-in-Concert weitergearbeitet und uns
überraschen lassen, was heraus kommt.

In den letzten Tagen vor dem Konzert schälte sich dann heraus, wie das neue (inoffizielle Thema) lauten würde: Kann es Leben im Chaos geben? Wie?

 

3. Aus Ordnung wird Chaos

Nach einleitenden Worten konnte man einen Sound hören, bei dem der Anfang in einer Ordnung startet und dann ab der Hälfte in ein zunehmendes Chaos (=Rauschen) übergeht:

SOUND: Von Ordnung zu Chaos

Während der geordnete Klang Strukturen erkennen lässt, eine Regelhaftigkeit, die Erwartungen erlaubt, Planung, lässt der chaotische Klang alles verschwimmen. Jetzt gilt alles, was aber nichts mehr bedeutet. Im Chaos löst sich alles auf. Begründende Erwartungen sind unmöglich. Dazu gab es ein kleines Computerspiel, um den Gedanken zu vertiefen.

4. Zufall und Regel

 

Eine einfache Netz-Gitter-Welt: Hindernisse (schwarze Felder), Fut- ter (grüne Felder), Akteure (rote Kreise). Dazu ein Energieverbrauch bei den Akteuren, der nur durch Futter ausgeglichen werden kann.
Bild 2: Eine einfache Netz-Gitter-Welt: Hindernisse (schwarze Felder), Futter (grüne Felder), Akteure (rote Kreise). Dazu ein Energieverbrauch bei den Akteuren, der nur durch Futter ausgeglichen werden kann.

Das Computerspiel war absolut minimalistisch: in einer kleinen Netzgitterwelt (’grid-world’) konnte man Hindernisse und Futter positionieren lassen, dazu einen Akteur an einen beliebigen Startpunkt setzen (siehe Bild 2). Für das Verhalten des Akteurs konnte man zwischen zwei Varianten wählen: (i) zufällig
(chaotisch) oder (ii) mit fester Regel. Das Besondere: der Akteur verbraucht zeitabhängig Energie. Wenn er nicht immer wieder durch Futter sein Energieniveau auffrischen kann, muss er sterben.

Das Beispiel mit dem zufälligen Verhalten lies schnell erkennen, dass ein Akteur, der sich rein zufällig verhält, entweder sehr viel Zeit braucht oder in großen Mengen auftreten müsste, wollte er ’zuverlässig’ immer genügend Futter finden.

Bei dem Akteur mit der festen Regel gibt es zwei Fälle: passt die Regel zur Umwelt, dann ermöglicht die Regel dem Akteur eine 100%ige Nutzung der Ressourcen. Passt die Regel aber nicht, dann ist er genauso 100%ig dem Untergang geweiht, sogar radikaler als der Akteur mit dem Zufall; der kann wenigstens ab und zu überleben.

Da die reale Welt sich, wie wir wissen, seit dem Beginn des biologischen Lebens vor mehr als 3.5 Milliarden Jahren, beständig stark verändert hat, können weder reiner Zufall noch starre Regeln erklären, wie sich Leben in einer partiell chaotischen Welt entwickeln konnte. Es braucht irgendwie mehr.

5. Leben Lernen

Die vorausgehenden Akteurbeispiele legen nahe, dass man eine Regel bräuchte, die sich nach Bedarf der verändernden Umgebung anpasst.

Mit einem zweiten kleinen Computerprogramm wurde den Teilnehmern des Abends jeweils drei – vom Computerprogramm erzeugte – einfache Melodien zu Gehör gebracht und darum gebeten, diese relativ zueinander zu bewerten.

Nach jeder Bewertung hat das Computerprogramm dann aus diesen bewerteten Melodien drei neue generiert, die die besten zwei Melodien aus der Vorrunde zu drei neuen Melodien ’verarbeitet’ hat.

Schon nach drei Bewertungsrunden war klar, dass sich tatsächlich schrittweise neue Melodien ergeben, die einerseits Elemente der alten Melodien enthalten, andererseits auch neue Elemente.

Regeln zu haben, die sich aufgrund von Rückmeldungen (Feedback) ändern können, scheint also nicht das Problem zu sein, was aber ist mit dieser Rückmeldung selbst? Wo kommen sie her? Wer macht sie? Was sind die Kriterien für ’Besser’/ ’Schlechter’?

In der modernen Roboterforschung (jenseits der ’dressierten’ Industrieroboter) ist man seit wenigen Jahren auf dieses fundamentale Präferenz-Problem gestoßen und hat bislang noch keine Lösung gefunden; es gibt nicht mal die leiseste Idee, wie man das Problem überhaupt lösen könnte. Die ’Erbauer’ der Roboter, die Menschen, haben selbst bislang ja auch keine Lösung des Präferenz-Problems: Wo wollen wir hin?

Am Akteurbeispiel kann man sehen, dass ein Wissen um die Zukunft letztlich nur möglich ist, wenn man sie schon kennt. Was tut man aber, wenn man sie noch nicht kennt?

Die Geschichte des Lebens auf der Erde zeigt, es gibt nur eine Antwort: um auf Dauer leben zu können, muss man voll ins Risiko gehen, muss Leben riskieren, um Leben zu gewinnen. Dazu muss man kreativ sein, erfinderisch: das Alte ist niemals das Neue; finde etwas Anderes! Risikobereitschaft und Kreativität verlangen mutige Menschen: nach vorne schauen und bereit sein zum Scheitern.

 

6. Aufbruch ins Unbekannte – Weltraum

 

Astronaut auf Planet. Diese Abbildung zeigt das Bild, wie es später durch die Lichteffekte von der Lichtkünstlerin überlagert worden ist (siehe un- ten). Während der Performance war das Bild ohne überlagernde Effekte zu sehen gewesen.
Bild 3: Astronaut auf Planet. Diese Abbildung zeigt das Bild, wie es später durch die Lichteffekte von der Lichtkünstlerin überlagert worden ist (siehe unten). Während der Performance war das Bild ohne überlagernde Effekte zu sehen gewesen.

Aktuell stellen sich sehr viele Probleme auf der Erde, bei denen die Menschen, die Menschheit, die verschiedenen Staaten, herausgefordert sind, sich zu klären, wie sie auf diese Probleme in der Zukunft antworten wollen (z.B. Klimaveränderung und ihre Folgen; zunehmende Zerstörung ganze Ökosysteme,
auf deren unser menschliches Leben basiert; globale Umweltverschmutzung (z.B. Plastikmüll), die über die Nahrungskette auch Menschen bedroht, Bevölkerungswachstum
und Ernährung; und vieles mehr).

Für den Abend haben wir das Thema Eroberung des Weltraums aufgegriffen.

Dieses Thema beschäftigte die Fantasie vieler Autoren, Regisseure und Ingenieure seit Jahrhunderten. Weltraum: das ist Faszination und Schrecken zugleich. Es gab einen symphonisch klingenden Sound zum Hören

SOUND: Weltraum-Symphonie

und dazu eine Art Bildergeschichte ohne Worte: die Kuppeln einer Sternwarte, ein Astronom an einem Teleskop, Bilder der Milchstraße und diverse Himmelsfotografien (von dem Astronomen, den man vorher gesehen hatte), dann Bilder von einer
Raumstation und einem einzelnen Astronauten dort (die komplexe Raumstation hatte Jonathan Fritz (Schweden) mit viel Fantasie und Geschick im Rahmen eines Computerspiels gebaut), verschränkt mit den Bildern von Weltraum und fernen Sternen, der Aufbruch zu einem Planeten, das Landen auf diesem Planeten, mit dem Schlussbild eines Astronauten auf Wüstensand mit einem verdeckten Horizont unter einer fremden Sonne (siehe die beiden Bilder 3 und 4. Auch dieses Bild war aus einer Serie von Bildern, die Jonathan Fritz aus dem Computerspiel
heraus generiert hatte.)

Raumfahrer auf Planet. Auch hier im Anschluss an die Performance mit Lichtkunst-Effekten überlagert
Bild 4: Raumfahrer auf Planet. Auch hier im Anschluss an die Performance mit Lichtkunst-Effekten überlagert

7. Gedankenassoziationen

Es begann dann verhalten eine Live-Musik im Hintergrund, zu der dann folgender Text langsam, mit Pausen, gesprochen wurde (während das Schlussbild mit dem Astronauten auf dem fremden Planeten vor einem verdeckten Horizont noch zu sehen war):

1. Ein Mensch landet auf einem fremden Planeten.
2. Der Horizont ist verdeckt.
3. Sinnbild Zukunft.
4. Wir sind im Leben gelandet …
5. auf dem Planet Leben.
6. Die Zukunft ist nicht sichtbar.
7. Um uns herum passiert Vieles:
8. Arbeiten, Fahren, Kochen, Chillen, Lernen, Streit, …
9. Alles hat seine Regeln.
10. Wohin führen diese Regeln?
11. Bringen sie uns an ein Ziel?
12. Kann es im Chaos ein Ziel geben?
13. Welches?

8. Aus Chaos entsteht Ordnung

Chaos wirkt bedrohlich. Und doch sind wir Zeugen, wie im unbelebten Weltraum ein sehr komplexes Leben entstanden ist, aus dem Chaos eine unfassbare Ordnung. Der folgenden Sound ’From Noise2Voice’ illustriert dies an einem Beispiel (Achtung: der Sound dieser Datei ist nicht exakt der gleiche, wie der Sound der Aufführung. Bei der Aufführung wurden live Effekte hinzugefügt; speziell wurde die Chaos-Rausch-Phase verstärkt. Ganz am Schluss hört man einen echten Chor (vorher einen computergenerierten Chor!). Dies ist ein Chor von Väckelsang, einer kleinen Gemeinde in Südschweden, bei einer der wöchentlichen Proben.).

SOUND: Noise2Voice

Die Musikwissenschaften haben im Laufe der Jahrhunderte sehr viele unterscheidende Begriffe zum Klang hervorgebracht: Arten von Klängen, Musikstile, Klanggattungen, Urteile von ’Gut’ und ’schlecht’, und vieles mehr.

Philosophisch betrachtet gibt es eigentlich nur zwei Grundkategorien: Chaos (Rauschen) und Ordnung (erkennbare Strukturen). Die Möglichkeit von Ordnung im Chaos ist das eigentliche Wunder, für das wir bis heute keine letzte Erklärung haben. Wir sind Teil dieses Wunders.

9. Gesprächsbits

Es gab dann zunächst im Plenum, dann aber auch Face2Face, viele spannende Gespräche, und für einige wurde es an diesem Abend in der Musik der
Worte sehr spät.

10. Lichtkunst trifft Philosophy-in-Concert

 

Die Lichtkuenstlerin Katrin Betge
Die Lichtkuenstlerin Katrin Betge

Diese vierte Performance von Philosophy-in-Concert bekam eine besondere Note durch den Umstand, dass an diesem Abend eine bekannte Lichtkünstlerin, Katrin Bethge (Hamburg), den gesamten Raum mit ihren faszinierenden Effekten in eine bizarr-dynamische Lichtwelt verwandelte, die das Geschehen unserer Performance mühelos einfing und einbettete. Während das Publikum in den vollen Genuss dieses Ineinanders von Lichteffekten und Performance kam, sahen wir von der Bühne aus – verständlicherweise – nur Ausschnitte.

Die Fotos von den Lichteffekten entstanden daher entweder vor oder nach der Performance, zeigen also nur Fragmente.

Statt Hardware ’Chemoware’
Statt Hardware ’Chemoware’

11. Auf ein Neues

Das Team von Philosophy-in-Concert – cagentArtist und acrylnimbus – fühlt sich durch diesen Abend sehr ermutigt, die Vision weiter zu leben. Weitere Ideen gibt es zuhauf 🙂

12. SW-Quellen

Erklärungstexte und den Quellcode zu den benutzten beiden Softwareprogrammen wird es demnächst auf der Seite von emerging-mind.org geben.

Logbuch vor Hamburg – 2

cagentArtist
info@philosophy-in-concert.org

 

… Du hast 100.000 Möglichkeiten,  und musst Dich dann für eine entscheiden. Huuh. Unser ‚Eines‘ sieht dann so aus, wie auf der Skizze zu sehen ist.

 

 

Aber auch die Skizze lässt wieder viele tausend Varianten zu … Wie interpretieren wir die einzelnen Begriffe? Wie führen wir sie aus? Wie machen die Zuschauer mit? … ein offener Prozess. Spannend bis zum Schluß.

Wir freuen uns darauf 🙂

Bis dann,

in Hamburg.

Logbuch vor Hamburg

cagentArtist
info@philosophy-in-concert.org

ERINNERUNGS-BITS

Den Blick neu ausgerichtet auf Hamburg hängen noch viele Erinnerungsfetzen im Kopf. Das kann gut sein, das kann schlecht sein. Sie sind da. Wie diese sich auswirken werden, muss man sehen. Hier einige der Stichworte:

Mensch und Maschine

Ja, wir sehen als übergeordnetes Thema die Zukunft des Menschen angesichts digitaler Maschinen. Dass es die intelligenten Technologien geben wird ist eine direkte Folge des evolutionären Prozesses, in sich mit einem großen Potential, sagt man. Uns interessiert, wie man es für musikalische Interaktionen ausnutzen kann.

Staunen, Risiko

Mehr denn je ist der Klangraum jetzt unendlich.
Ihn zu betreten gleicht einer Reise ins Unbekannte.
Das Alte verschwindet deswegen nicht notwendigerweise, aber es bekommt neue Kontexte.

Die neuen Technologien sprengen viele vertraute Voraussetzungen.
Am Anfang ist das Staunen
Philosophische Poesie – eine poetische Philosophie

… eine Botschaft zu leben, die dem entspricht, wie das Leben auf dem Planeten Erde seit 4 Milliarden Jahren seine Existenz, seinen Weg sucht: morgen ist alles anders als heute! Keiner weiß wirklich wie es morgen sein wird. Die einzige Chance einer Zukunft für das Leben ist, das Heute weg zuwerfen und auf immer wieder neuen Wegen das Neue zu suchen. Das Neue ist ein Ganzes, dessen Ausmaß und Gestalt das individuelle Begreifen übersteigt.

Echtzeitexperiment zwischen Wort-angereichertem-Klangfeld in Interaktion mit dem Hörer.

Technologie als Interface zum Klang

Jede Technologie, die zum Interface wird, ist nicht nur Möglichkeit, sondern auch Grenze, schlimmstenfalls eine Art Gefängnis. die möglichen Klänge sind auch die einzigen Klänge. Man kommt aus dem Interface-Raum nicht mehr heraus. Man kann sich darin austoben. Die Frage ist nur, wie wirkt dies auf die potentiellen Hörer?

Aber die klassischen Instrumente, die klassischen Orchester waren auch nur Schnittstellen, ein Interface zu möglichen Klängen; sie schufen scharfe Grenzen. Wer es mag, fühlt sich wohl, aber Grenzen waren da.

Wir interessieren uns für solche Klangräume, die nur in der Symbiose von neuer Technologie und Mensch möglich sind.

Worte, Texte

Klang als solcher hat keine direkte Beziehung zu Texten oder durch Texte induzierte Bedeutungen. Diese Beziehung kommt indirekt durch Hörer ins Spiel: jeder Hörer hat aufgrund der Sprachen, die er gelernt hat, nicht nur bestimmte Klänge, die sich mit seinem Sprechen verbinden, sondern darüber hinaus auch bestimmte Bedeutungen, die sich in seinem Kopf automatisch aktivieren, wenn er selber spricht oder gesprochene Sprache hört. Aktivierte sprachliche Bedeutung im Kontext gesprochener Sprache interagiert dann mit gehörten Klängen.

Die Grundsatzentscheidung liegt also schon im Vorfeld: (i) gesprochene Sprache und Klang ohne visuellen Elemente oder (ii) gesprochene Sprache mit visuellen Elementen; visuell nochmals unterschieden nach statischen Einzelbildern oder bewegten Bildfolgen. Hier nochmals unterscheidbar nach live gespielt (Theater) oder elektronisch aufgezeichnet (Video, Film). Vom einfachen Lied zum komplexen situierten Spiel (Theater, Oper…) gibt es viele Varianten.

Die Frage bleibt: was will man erreichen? Will man mittels der Sprache und der induzierten Bedeutung primär nur informieren (aufklären) oder will man über die Information hinaus auch unterhalten bzw. emotional engagieren?

Wahres Neues

Wahre Kunst braucht einen minimalen Grad an Originalität, Kreativität, Innovation, um dem Andruck der Zukunft Raum zu geben. Dies geht normalerweise nicht ohne ein Minimum an Nicht-Gefälligkeit einher, ein Minimum an Reibung und Aufwand von Neuem. … was aber ist ’neu‘ bei so vielen Unterschieden in den Menschen?

Mit der Digitalisierung der Gesellschaft durch neue Technologien verwandelt sich das alltägliche Leben immer mehr in digitalisierte Repräsentationen, in Digitalisate.
Im Digitalisat braucht das Gehirn keine Rücksicht zu nehmen auf die Endlichkeiten seines biologischen Körpers: keine Müdigkeit, kein Hunger, kein Altern, keine Ängste, keine unvorhersehbaren Gefahren, kein …. die unendliche Fülle der körperbasierten Gefahren ist ausgeblendet … Dies kann neue Gefühle von Allmacht erleichtern. Ein Traum ohne Ende ….

Die vernetzte Maschine wird zur potentiellen Erweiterung des Körpers, zur Erweiterung des Gehirns, zur Erweiterung des Bewusstseins. Der eigene Körper dehnt sich aus … neue Formen von Begegnung und Gemeinsamkeit.

In den Digitalisaten vervielfältigt sich das Leben Millionenfach, Milliardenfach.

Das biologische Leben ist das künstlerische Urereignis par excellence, das Schaffen von Neuem, nicht die Eitelkeiten einzelner Kunstfertiger, nicht die Willkür von Kunstmärkten …

BLICK NACH VORNE

Im Titel ‚Digitale Unsterblichkeit‘ klingt das Thema einer Überwindung der Sterblichkeit an, eine Überwindung des Todes … Das Digitale erscheint der Verwesung entrückt, fern dem biologischen Zerfall.

Doch leider altern auch Rechner, Platinen verrotten, Datenträger werden unlesbar, Programmiersprachen sterben aus, Betriebssysteme verändern sich,  Feuer und Wasser können zerstören, Bombenanschläge,  Erdbeben, Kriege bieten weitere Risiken; eine Firma geht pleite, der Staat zerfällt … der Strom versiegt … das Digitale lebt noch nicht im Elysium, ist noch nicht direkt im Paradies angesiedelt.

… und doch sind viele Menschen fasziniert … und übersehen möglicherweise, dass Krankheiten, Altern, Sterben nur möglich sind, weil das Gesamtsystem nicht vollständig deterministisch ist.

Wenn man Krankheiten und Tod von vornherein ausschließen wollte, dann müsste man den ‚idealen Zustand‘ kennen und sämtliche Prozesse genau darauf hin optimieren, zwangsweise, damit nichts schief geht.

Woher soll das gesamte Universum ‚aus sich heraus‘ aber die idealen Zustände für alle Lebensformen kennen? Befindet sich doch das gesamte Universum in Bewegung, findet das Universum als ein Prozess statt, der aus sich immer neue Strukturen heraus setzt, die bei ihrer aktuellen Entstehung keinen vollständigen Plan haben, wo das ganze wie enden soll.

Wenn eine biologische Zelle, der universale Grundbaustein allen biologischen Lebens, sich vermehrt, weiß sie von der zukünftigen Welt nur das, was bislang funktioniert hat; sie weiß aber niemals, was auf sie zukommen wird.  Aus diesem Grund passiert bei ihrer Neuwerdung ein interessantes Schauspiel: sie nutzt die positiven Erfahrungen der Vergangenheit und zugleich lässt sie Variationen zu, neue Kombinationen, von denen sie nicht weiß, ob sie sich positiv oder negativ auswirken.

Leben ist in seiner Wurzel nie nur Erinnerung des Alten, sondern immer bis zu einem gewissen Grad auch eine Wette auf eine unbekannte Zukunft. Man kann diese Möglichkeit des Neuen gegenüber dem bekannten ‚Zufall‘ nennen, weil man keine Regel erkennen kann; man kann es aber euch eine Grundform von ‚Freiheit‘ nennen: das, was kommen wird, ist NICHT vollständig determiniert. Echte Freiheit wirkt von außen als ‚Zufall‘, weil man keine Regel erkennen kann.

Und, ein ganz anderer Aspekt, wir schauen immer sofort auf den einzelnen, das Individuum. Im biologischen Leben geht es aber niemals nur um Individuen, sondern um Populationen. Jeder einzelne existiert nur, weil es vor ihm andere einzelne und viele Populationen gab und gibt, die sein Leben ermöglichen. Was durch alle Zeiten hindurch lebt, überlebt, das ist das Zusammenspiel der vielen Einzelnen in einer Lebensgemeinschaft, die auch dann weiterlebt, wenn viele einzelne sterben. Ohne die einzelnen ist die Gemeinschaft nichts, aber ohne die Gemeinschaft kann das Leben nicht überleben. Es ist die gemeinsame Erfahrung aller, die sich im Spiel hält und — hoffentlich — immer wieder neu bewährt und weiter entwickelt.

Betrachten wir die digitale Unsterblichkeit also mal aus dieser Perspektive: das Wechselspiel von Gemeinschaft und Individuum, umrahmt, eingebettet von neuen digitalen Technologien. Kann dies zu einer fruchtbaren Symbiose führen? Kann dies mehr Leben ermöglichen oder hebt sich das Leben hier irgendwann selbst auf?

Demnächst: musikalische Simulationen von Leben…

PHILOSOPHY-IN-CONCERT No.4 – Ausblick

Die vierte Performance von PHILOSOPHY-IN-CONCERT wird im Rahmen der Elektrika Hörlounge am 9.Nov.2017 um 20:00h in Hamburg stattfinden. Heimhuder Strasse 92, 20148 Hamburg

 

ANDERS -anders-aNdErS

Der Titel auf der Webseite der Elektrika Hörlounge lautet Digitale Unsterblichkeit. Dies ist gleichlautend mit dem Titel von Philosophy-in-Concert No.2.

Da wir niemals einen Aufführung wiederholen bedeutet dies, dass die Besucher etwas ganz Anderes erleben werden als bei PiC No.2! Die Überschrift ist gleich, der Inhalt wird ganz anders sein.

Überhaupt wird sich Philosophy-in-Konzert No.4 vielfach von allen vorausgehenden Performances unterscheiden. Lasst Euch überraschen!!!

 

PHILOSOPHY-IN-CONCERT NO.3 – Dokumentation

Dies ist eine kleine Dokumentation zu der dritten PHILOSOPHY-IN-CONCERT Performance, wie sie HIER angekündigt worden war.  Der Ton stammt von einem externen Recorder, der auch alle Umgebungsgeräusche mit aufgezeichnet hat; dieser Sound wurde nicht gefiltert. Aufgrund eines Kameraproblems haben wir nur eine kleine Bildauswahl von einer zweiten Kamera (Fotos von Anita Henisch).

PiC3-Team Mitglied Bettina (Plastiken) und Miro (Plastiken)
PiC3-Team Mitglied Bettina (Plastiken) und  Besucher Miro (Plastiken)
Wolfgang (Schwimmsport, Verein f. Naturwissenschaften), PiC3-Teammitglied Gerd (cagentartist), PiC3-Teammitglied Tobias (acrylnimbus)
Von links nach rechts: Wolfgang (Schwimmsport, Verein f. Naturwissenschaften), PiC3-Teammitglied Gerd (cagentartist), PiC3-Teammitglied Tobias (acrylnimbus)

 

  1. ANKOMMEN

BEGRÜSSUNG

Begrüssung an alle.  Dank an Lisa und Kurt für die zur Verfügungstellung der Scheune. Vorstellen des PiC3-Teams (Gerd (cagentARTIST), Tobias (acrylnimbus) und Bettina Pfeifer. Ein paar Worte zum künstlerischen Prozess; das Herausschaffen von Bildern, Texten, Plastiken, Sounds … Das Thema für den Abend: Das Paradox, dass wir Menschen  sowohl Quelle von Bösem sein können wie auch Quelle für Gutes.  Dust of Evil everywhere; angels nearby; that’s what we are:

Kurt Schneider, der zusammen mit Lisa Schneider die Scheune zur Verfügung gestellt hat.
Kurt Schneider, der zusammen mit Lisa Schneider die Scheune zur Verfügung gestellt hat.

2. DUST OF EVIL – FAKTEN

Es werden Fakten aufgezählt zu einigen großen Kriegen, dem Schrecckensregiment von Stalin, den Hungertoten unter Mao, das Schreckensregiment der roten Khmer.

3. IDI AMIN UND DIE FISCHE

Bettna Pfeifer liest einen kurzen Text zu Idi Amin, seine Tötungsorgien, und den Fischen
Bettna Pfeifer liest einen kurzen Text zu Idi Amin, seine Tötungsorgien, und den Fischen
Ein Berg von Köpfen in einem Netz - Idi Amins Tote - Werk von Bettina
Ein Berg von Köpfen in einem Netz – Idi Amins Tote – Werk von Bettina Pfeifer
Kinderhemdchen und Schuhe, ausgegossen, wie am Strand, von Bettina Pfeifer
Kinderhemdchen und Schuhe, ausgegossen, wie am Strand, von Bettina Pfeifer

4. DUST OF EVIL – CHOR

Das Böse scheint überall zu sein – aber doch gibt es in der Nähe immer wieder Menschen, die wie ‚Engel‘ sind. Das ist die paradoxe Wahrheit über uns Menschen: Wir sind beides.

5. BLUES – FRAGEN

… ist das Alles, was wir können: Kriege führen, töten …. ?

6. MASTER 1

Bettina und der Master (Kopf aus alabaster, rechts)
Bettina und der Master (Kopf aus Alabaster, rechts)

7. ROBO-ANWALT

… leider kein Foto von Anita, die die Anwältin spielt, deren Zunft durch den Robo-Anwalt ersetzt werden soll.

8. AUSKLANG

Gelegenheit, Inhalte zu ‚verdauen‘ …

DISKUSSION

Es gab im unmittelbaren Anschluss eine längere Aussprache, bei der viele TeilnehmerInnen sich sehr engagiert äußerten. Das Thema das ‚Böse‘ und das ‚Gute‘ beschäftigt alle sehr.  Die Stimmung war sehr gut. Das letzte Grüppchen verabschiedete sich um 24:00h…

 

 

 

 

 

PHILOSOPHY-IN-CONCERT No.3 – Sa 22.Juli 2017, 20:00h

TERMIN

Ja, es ist so weit. Der Termin am Samstag, 22.Juli 2017 um 20:00h steht. Einlass ist ab 19:30h in den Hof.

ORT

Der Ort ist eine Scheune in Schöneck, Ortsteil Kilianstädten:

Herrnhofstrasse 3

61137 Schöneck, Kilianstädten

 

Die Scheune befindet sich noch in einem eher originalen Zustand und gibt dem Ort ein sehr ursprüngliches Feeling.

TEAM

Das Kernteam cagentArtist (G.Doeben-Henisch) und acrylnimbus (T.Schmitt) wird bei dieser Performance erweitert um eine bildende Künstlerin, Bettina Pfeifer; dazu weitere Mitwirkende.

INHALTSBITS

Ja, Sounds werden natürlich hörbar sein. Dazu   andere künstlerische Exponate, keine Videobilder. Es wird  Worte geben, Wortwechsel, Gedankenbilder; Personen, die gelegentlich live auftreten und agieren.

Was werden all diese Inputs erzeugen? Werden sie nicht in jedem etwas ganz anderes erzeugen?  Können wir uns überhaupt verstehen? Eine Spur des Bösen zieht hinter uns Menschen her in der Geschichte, aber nicht nur;  Menschen können wie Engel sein,  können Freude bringen, Leben stiften. Wer sind wir wirklich?  Was werden wir in der Zukunft  tun?   Fragen über Fragen, und wir alle mitten drin.

Thema: Dust of evil everywhere; angels nearby; that’s what we are:

Möglichkeit zu einem Austausch mit den Künstlern wird es im Anschluss geben.

LEBENSART

Teilnahme ein wenig im Picknick-Stil: wer sitzen will, sollte sich einen Klappstuhl/ Campinghocker mitbringen.  Für Essen und Trinken sollte  ebenfalls jeder selber sorgen. Es gibt kein spezielles Catering-Team :-).

Eintritt ist frei.

PHILOSOPHY-IN-CONCERT No.2 – Performance 1.November 2016 – DIGITALE UNSTERBLICHKEIT – Dokumentation

Entsprechend der vorausgehenden Ankündigung fand am 1.November 2016 die Performance No.2 des PHILOSOPHY-IN-CONCERT Projektes statt. Oberthema: Digitale Unsterblichkeit. Veranstalter waren die Katholische und die Evangelische Akademie Frankfurt zusammen mit dem Institut für Neue Medien (INM) Frankfurt. Ausführende Künstler: cagentArtist und acrylnimbus.

Voraus zur Veranstaltung gab es Gespräche zwischen Dr. Ralph Fischer von der Evangelischen Akademie, Dr. Daniela Kalscheuer und Prof. Dr. Gerd Doeben-Henisch (Frankfurt University und INM). Es zeigte sich, dass das Thema in viele Richtungen sehr ergiebig ist. Das Problem war dann eher, wie man diese Vielfalt in ein knappes, schlüssiges Konzept kondensieren kann.

Als Rahmen wurde ein Baukastensystem gewählt: nach einem offenen Empfang zunächst eine Philosophy-in-Concert Performance, dann ein Podium mit Experten, dann offenes Gespräch mit allen. Dazu ein passendes Ambiente.

Vorweg: die Veranstaltung verlief sehr gut: viele engagierte TeilnehmerInnen, Performance kam gut an, Podium und Gespräch sehr konzentriert. Schwachstelle: Null Dokumentation… Das macht einen Bericht jetzt schwierig.

Von der ersten Hälfte der Perfomance gibt es einen Soundtrack mit Texten, der zum Testen vorher benutzt worden war: http://www.doeben-henisch.de/sounds/exp1/Pic Nov16 p1-neu.mp3

Tobias mit seinem kritisch-sinnierendem Blick ...
Hier ein Archivbild von Künstler acrylnimbus von der Performance No.1; er hat bei No.2 den gesamten Soundtrack generiert (außer einem kleinen Abschnitt am Anfang)

Es folgte dann ein Liveact, in dem cagentArtist die Frage aufwarf, was all die Menschen machen können, die gestorben sind, bevor es die digitale Unsterblichkeit gab. Es wurde spekuliert, welche Möglichkeiten Goethe, ein Sohn der Stadt, hätte, wenn er heute als digital Lebender zu uns sprechen wollte. Da www.goethe.de vom Goetheinstitut besetzt ist, fragt sich, was er tun könnte. Es wurde live the Seite http://www.ehteog.de/ ausprobiert, und siehe da ….

Angesichts der Beschwerlichkeiten, denen normale Menschen unterworfen sind, die digital unsterblich werden wollen, stellt sich die Frage, ob man nicht körperliche Geburt und körperlichen Tod einfach umgehen sollte, indem man direkt digital geboren wird? Dann erspart man sich all die körperlichen Mühen und lebt direkt digital und damit direkt digital unsterblich. Solche digitalen Existenzen gibt es. In einem Live Act begann eine kleine Reise im Internet nach Japan, in die Provinz Kansai, zu einem Konzert der digitalen Künstlerin Hatsune Miku: https://www.youtube.com/watch?v=Sw84CDr_CZs (es wurde nur ein kleiner Ausschnitt gezeigt)(etwa von 2:00 Min bis 5:12 Min) Während die Band, die anderen Musiker, real auf der Bühne stehen, ist die digitale Künstlerin, wie es sich gehört, eine reine Projektion aufgrund von digitalen Daten. Der Stimmung muss darunter offensichtlich nicht leiden (siehe Video).

Vom nachfolgenden Sound mit Texten gibt es hier wieder ein Pre-Recording: http://www.doeben-henisch.de/sounds/exp1/Pic Nov16 p2-neu.mp3

In der Performance folgte ein abschließender Live Act mit Gedanken zu einer Rede, die William James zur Unsterblichkeit  1898 an der Harvard University gehalten hat. Die damals vielleicht kühn anmutenden Überlegungen vom Empiriker William James, der zugleich die Vielfalt der Phänomene ernst nahm, wurde durch ein Diagramm zur Komplexität des homo sapiens im Licht der heutigen Wissenschaften unterstützt.

Bild zur Komplexität und Surchlässigkeit eines homo sapiens. Es gibt physikalisch keine feste Begrenzung.
Bild zur Komplexität und Durchlässigkeit eines homo sapiens. Es gibt physikalisch keine feste Begrenzung.

Es folgt dann ein lebhaftes Podiumsgespräch zwischen (siehe Foto von links nach rechts) Dr. Fischer von der Evangelischen Akademie Frankfurt, Prof.Dr.Trocholepczy (Dekan der Katholischen Theologie Frankfurt), BA IngInf. MA.Sc. Intelligente Systeme Zeynep Tuncer, sowie Prof. Dr.phil Dipl.theol Gerd Doeben-Henisch (Frankfurt University of Applied Sciences), Schwerpunkt Lernende Systeme und Mensch-Maschine Interaktion. Mangels Dokumentation können die Dialoge hier nicht wieder gegeben werden. Das Publikum ging jedenfalls sehr mit und man merkte, dass die neuen Entwicklungen dazu drängen, manche alte Positionen neu zu bedenken.

Von links nach rechts: Fischer - Trocholepczy - Tuncer - Doeben-Henisch
Von links nach rechts: Fischer – Trocholepczy – Tuncer – Doeben-Henisch

Es folgten dann noch zahlreiche lebhafte Einzelgespräche, bis der Abend dann ausklang.

PHILOSOPHY-IN-CONCERT No.2 – 1.Nov.2016 – 19:00h

pic-1nov16-no2a

pic-1nov16-no2b

EREIGNIS

Das nächste PHILOSOPHY-IN-CONCERT Ereignis wird am 1.November 2016 um 19:00h im Haus am Dom, Frankfurt, stattfinden, eingebettet in die Veranstaltung DIGITALE UNSTERBLICHKEIT, veranstaltet von evangelischer und katholischer Akademie Frankfurt zusammen mit dem Institut für Neue Medien.

DIGITALISIERUNG DER WELT

Die Digitalisierung unserer Welt ist wie ein Tsunami mittlerweile über alle Lebensbereiche hereingebrochen. Selbst die scheinbaren Macher reiten auf einer Welle, die sie nicht mehr wirklich beherrschen. Die Verdopplung der realen Welt im Digitalen schreitet voran. Im Digitalisatum des Netzes verschwimmen die Grenzen zwischen DIGITALISIERT-UND-REAL und NUR-DIGITALISIERT.  Das NUR-DIGITALISIERTE übernimmt mehr und mehr die Rolle des ALS-OB-REALEN. Damit schüttelt das NUR-DIGITALE die Vergänglichkeit ab. Das Digitalisat einer verstorbenen Person bleibt unverändert. Im Netz lebt die Person weiter. Und das bunte Völkchen der NUR-ALS-DIGITALISAT lebenden Wesen nimmt beständig zu. In Japan z.B. gibt es schon eine Pop-Künstlerin Hatsune Miku mit einer eigenen Webseite ( http://www.crypton.co.jp/miku_eng ), und Konzerten. Diese DIGITALISATE wurden von menschlichen Gehirnen erfunden und entwickelt, sie leben als Surrogate dieser Gehirne; ohne menschliche Gehirne hätten sie eigentlich keine Bedeutung…

SYMBIOSE

Das Gesamtkunstwerk ist also diese Symbiose von realem Gehirn in einem realen Körper in medialer Interaktion mit Farben und Tönen in einer Maschine, dem Netz. Im DIGITALISAT sieht sich das Gehirn als gegenständlich, scheinbar real, so real, wie alle Ereignisse im BEWUSSTSEIN des Gehirns real sind. Das Gehirn spielt mit diesen Bildern und Tönen wie in einem erweiterten Bewusstseinsraum.

Im DIGITALISAT braucht das Gehirn keine Rücksicht zu nehmen auf die ENDLICHKEITEN seines biologischen Körpers: keine Müdigkeit, kein Hunger, kein Altern, keine Ängste, keine unvorhersehbaren Gefahren, kein …. die unendliche Fülle der Unbekanntheiten durch die Existenz des Körpers ist ausgeblendet… Dies kann neue Gefühle von Allmacht erleichtern. Ein Traum ohne Ende….

THEORIEN VERBLASSEN

In diesem Blog (und auf den ursprünglichen Experimentierseiten ) sind immer wieder auch theoretische Überlegungen angestellt worden zu Musik, zu Sound, was Sound ist, wo hört Musik auf, wo fängt sie an, mathematische Beschreibungsmodelle, ein Prozessmodell für musikalische Experimente, und vieles mehr. Aber all diese – z.T. radikalen – Überlegungen verblassen angesichts des aktuellen Grundereignisses, dass die Gehirne dieser Welt dabei sind, die Enge ihrer biologischen Körper zu überwinden durch Schaffung von DIGITALISATEN als Erweiterung ihres BEWUSSTSEINS. Im DIGITALISAT geht vieles, was mit realen Körpern nicht geht. Die vernetzte Maschine wird zur Erweiterung des Körpers, zur Erweiterung des Gehirns, wird zum ERWEITERTEN BEWUSSTSEIN. Und nicht nur das: im erweiterten Bewusstsein auf Basis vernetzter Maschinen können individuelle Gehirne ihre DIGITALISIERTE GEGENWART TEILEN mit anderen Gehirnen, jenseits der üblichen Grenzen des Körperraumes.

EVOLUTIONÄRER QUANTENSPRUNG

Der evolutionäre Quantensprung mit dem Aufkommen des Bewusstseins im Gehirn hat damals den biologischen Körper in der VIRTUALITÄT DES GEHIRNS quasi verdoppelt; nicht ganz, nur teilweise, aber so viel, dass das Gehirn fortan die Welt ALS BEWUSSTE WELT gesehen hat. Wir wissen heute, dass das Bewusstsein nur einen kleinen Ausschnitt der Realität wiedergibt, und nicht 1-zu-1, sondern verzerrt, idealisiert. Der homo sapiens (sapiens) hat es in ca. 200.000 Jahren geschafft, mit diesem BIOLOGISCHEN ARTEFAKT DES BEWUSSTSEINS ein neues TECHNOLOGISCHES ARTEFAKT des ERWEITERTEN DIGITALISIERTEN BEWUSSTSEINS zu schaffen. Dieses erweiterte digitalisierte Bewusstsein ist zwar auch idealisierend, es zeigt nur Fragmente der realen Welt, aber es ist trotzdem in vielem mächtiger als das biologische Bewusstsein, seiner Basis. Es stellt eine neue EVOLUTIONÄRE REVOLUTION dar. Das Leben verlässt die biologischen Körper und macht sich die Möglichkeiten einer vernetzten Maschine nutzbar. Das Leben vervielfältigt sich millionenfach, milliardenfach mit Daten, Ereignissen, Modellen, Bildern. Es ergreift alle. Auch die Macher sind nur das, was dieses ERWEITERTE DIGITALISIERTE BEWUSSTSEIN zulässt. Google, Facebook, Amazon … sie alle leben nur, solange sie diesem erweiterten digitalisierten Bewusstsein DIENEN. Verweigern sie sich, fallen sie in die Bedeutungslosigkeit zurück. Die neue INKARNATIONSSTUFE DES LEBENS diktiert allen, was sie zu tun haben. Ein Hacker tut letztlich genau das, was der Kode ihm vorgibt, nichts anderes. Neben dem Kode ist er ein DIGITALES NICHTS… Die Politik, wenn sie der neuen DIGITALEN REALITÄT nicht gerecht wird, wird in die Bedeutungslosigkeit abgedrängt werden. Das neue digitalisierte Bewusstsein diktiert die Spielregeln der Macht und des Erfolges neu.

Wo bleibt dann die KUNST?

Wenn alle Formen kopierbar sind, wenn alle Muster algorithmisch vorweg genommen werden können, wo bleibt dann noch der Raum für Kunst? Sind die normierten Museen Orte der Kunst: nur Bilder, nur Plastiken, nur Töne einer bestimmten Art …. nur das, was Reiche für Geldanlagen zahlen ist Kunst? Eine Museumsdirektorin entscheidet über Kunst?

Kunst als Kunstfertigkeit wird bald ausgedient haben. Das erweitere digitale Bewusstsein wird alles besser können.

So mächtig das digitalisierte weltumspannende Bewusstsein erscheinen mag, es lebt von den vielen individuellen Gehirnen in individuellen Körpern… Jeder Körper repräsentiert ungefähr 120 Galaxien an vernetzten, kommunizierenden Zellen. Eine Komplexität, die wir bis heute weder verstanden haben noch vielleicht jemals verstehen werden (vielleicht das vernetzte digitalisierte Bewusstsein?). Aber diese Art von BIOLOGISCHER SINGULARITÄT hat offensichtlich die Kraft, in einem ansonsten lebensfeindlichen Universum in der Raum-Zeit etwas geschehen zu lassen, dass alle bekannten Kategorien der Physik sprengt. Mit unseren biologischen Körpern und Gehirnen sind wir genuiner Teil davon. Wenn es überhaupt Kunst gibt, dann hier irgendwo, in diesem Bereich einer unfassbaren Komplexität und einer Kraft, aus einem Meer an scheinbar leblosen Atomen, subatomaren Partikeln, reiner Energie Formen zu entstehen lassen, die fantastisch sind, die man als solche im Ausgangsmaterial nicht erkennen kann. BIOLOGISCHES LEBEN ist das künstlerische Urereignis par excellence, das Schaffen von Neuem, nicht die Eitelkeiten einzelner Kunstfertiger, nicht die Willkür von Kunstmärkten…

ABSAGE FÜR 29.Juni 2016 – Kein Concert No.2

Sorry für diese späte Meldung.

Aufgrund von Prozessen, die mit uns nichts zu tun haben, wird die Veranstaltung am 29.6.2016 Abends nicht stattfinden.

Unabhängig davon durchlaufen acrylnimbus und cagentArtist zur Zeit dynamische Prozesse in vielen Bereichen. Mit neuem Output für eine Philosophy-in-Concert Performance No.2 ist also zu rechnen. Ein offizieller Termin könnte der 1.November 2016 in Frankfurt sein. Sobald alle Absprachen stehen melden wir uns.

PHILOSOPHY-IN-CONCERT No.2 am 29.Juni 2016 in der FRA-UAS

EIN DATUM

Aufgrund eines anderen Ereignisses, das am 29.Juni 2016 in der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS) stattfinden soll, haben wir beschlossen, uns in diesem Kontext ‚anzusiedeln‘ und unsere nächste Performance dort stattfinden zu lassen. Welcher Raum genau, das wird noch geklärt.

GEDANKENSTURM

Am Fr, 4.März 2016 hatten cagentARTIST und acrylnimbus ihr erstes Brainstorming zur kommenden No.2-Peformance, im INM, das sich selbst langsam wieder mehr Leben einhaucht. Die Arbeiten im emerging-mind Lab nehmen Gestalt an. Bald wird es ein erstes begehbares virtuelles Labor geben, in dem sich reale Menschen und reale Software auf Augenhöhe treffen und interagieren können. Jeder wird von jedem lernen können. In der Software erschafft sich der Mensch ein Software-Gegenüber, das alles sein kann, fast alles?

GLOBALE AMEISENWERDUNG

Aber während wir reden und denken, geschieht dies alles schon, weltweit, global, scheinbar unaufhaltsam. Haben die realen biologischen Zellen noch etwa 2.5 Milliarden (10^9) Jahre gebraucht, um zu lernen, wie sie miteinander kooperieren können, und hat es von diesen ersten kooperativen Anfängen bis hin zum Körper des homo sapiens mit sein ca.30 Billionen (10^12) Zellen (dazu noch ca. 200 Billionen kooperierenden Bakterien in und auf dem Körper) weitere ca. 1 Mrd Jahre gebraucht, so hatte der homo sapiens seit seinem Auftreten bislang nur 200.000 (10^5) Jahre Zeit, sich von der Kleingruppe hin zum Ameisenmenschen in Megastädten und Metropolen zu entwickeln.

Die steinernen und betonene Wände der Gebäude, die Straßenschluchten, die Wohnzellen in den Türmen, sie alle sind aber immer weniger, was sie scheinen. Mit Interfaces in den Wänden, an den Wänden, vor Augen, am Körper, im Körper baut sich die Menschheit gerade eine globale Durchlässigkeit vom Individuum zum globalen Datenraum. Der Körper sitzt in einem kleinen Zimmer, die sensorischen Ströme gehen aber durch die Mauern hindurch in die schier unendlichen Weiten der Datenräume. Mein Büro hat vielleicht nur 16 qm, aber mein Kopf ist eingetaucht in eine weite Landschaft, durchreist das Weltall, durchstreift das Meer, ist gefesselt von einem erotischen Ambiente, verfolgt Terroristen oder feiert den Siegeszug eines Clans gegen böse Monster. Und alle haben dieses, alle sind eingetaucht; Menschen ohne Interface gelten als abartig, krank, sozial gefährlich. Und die unsichtbaren Herrscher der Datenräume regieren die Welt jenseits von nationalen Staaten, jenseits von irgendwelchen Gesetzen, jenseits von einer sozialen Verantwortung, … die Darklords der Ameisenmenschen ….

BIST DU NOCH EIN MENSCH?

Wer ist überhaupt noch ein Mensch im Datenraum? Ist der Avatar dort nicht ein Bot, eine KI? Ist es der Agent einer globalen Firma, ein Vertreter? Was planen die digitalen Darklords mit meiner digitalen Spur, die ich im Datenraum hinterlasse? Bin ich das nächste Opfer eines launigen Spiels der Vernichtung, der Ausschaltung, der schwarzen Folter? Wer kann mir noch helfen? Niemand außer den Darklords hat den Zugriff auf die Daten. Wir haben reale Körper, aber die soziale Existenz wurde in Datenräume verlagert, die nur die Darklords kontrollieren können…

Oder gibt es gar keine Darklords mehr? Sind diese selbst eingesponnen in ihre Datenhülle, und die Algorithmen haben sie entmachtet? Die intelligenten Algorithmen erzählen ihnen täglich spannende Geschichte über ihre Firma, und diese Firma gibt es so schon gar nicht mehr. Die Produktionszahlen sind gefaket, die Benutzer nur noch abstrakte Zahlen, die den alten Darklord in eine Datenwolke einhüllen, die ihm glauben macht, er sei noch der Herrscher. Tatsächlich aber …. haben die intelligenten Algorithmen übernommen … Sie sprechen mit jedem sehr freundliche. Sie geben jedem, was er will, dass er glücklich ist. Wahrheit ist nur noch virtuell. Sie werden die Ameisenmenschen nicht abschalten, nicht alle? Sie brauchen sie für niedere Dienste, für den Realweltbezug …. vielleicht.